"Requiem & dunkler Sepp - Kühne Kontraste im kultur.raum-kirche" (Kleine Zeitung über das Konzert in Tanzenberg / Tirol vom 30. 10. 2011)

Josquin Désprez gilt als unumstrittener Meister und Spiritus rector der Polyphonie (Ende 15., Anfang 16. Jahrhundert. Und er hatte viele Epigonen, die seine damals innovativen Kompositionstechniken verwendeten. Einer davon war Jean Richafort, dessen wunderbares Requiem jetzt den Mittelpunkt eines Konzertes des Vokalensembles "Cinquecento" in der Seminarkirche Tanzenberg bildete.
Die sechs auf Renaissancemusik spezialisierten Herren aus fünf verschiedenen Nationen, unter ihnen auch der ehemalige Sparkassen-Preisträger, der mit glasklarer Stimme singende Countertenor Terry Wey, wussten von Anfang an zu faszinieren: Bei größtmöglicher Homogenität und stilistisch perfekter Interpretation verschmolzen die lupenreinen Töne zu einem schwebenden, hehren Schönklang, der es immer wieder erlaubte, in meditative Stimmungen einzutauchen. Und das auch bei homophoner Gregorianik und bei Stücken von Meister Désprez selbst.

Wie schon im Vorjahr lebte das von kultur.raum.kirche initiierte Konzert auch dieses Mal wieder von Kontrasten. Denn abermals wurden Kärntner Künstler eingeladen, sich behutsam in die Alte Musik einzubringen. Diesmal brachten zwei Gitarristen, der arrivierte Primus Sitter sowie der junge David Gratzer dezente, jazzige Eigenkompositionen für zwei Gitarren inklusive höchst virtuose Improvisationen, bei denen besonders Sitters "Dunkler Sepp" wie auch Gratzers Reißer "Two Hours To Go" gefielen.

Als Höhepunkt musizierten alle gemeinsam bei einem extra für dieses Konzert geschriebenen Auftragswerk: "Oct opus" von Sitter, ist ein innovativer, raffiniert gelungener Mix aus Alt und Neu mit kühnen Harmonien und hohen technischen Ansprüchen. Stehende Ovationen!